geschrieben auf Gran Canaria im Kurzurlaub vor zwei Wochen…:

die einzige Art und Weise ein nicht digitales Leben zu führen, ist ein nicht digitales Leben zu führen.

Das klingt erstmal logisch.
Und doch liegt genau da ein Problem.
sobald ich anfange meine Gedanken aufzuschreiben fange ich automatisch auch an drüber nachzudenken diese Gedanken auf meinem Blog öffentlich zu machen. Ich denke sofort “online”. Damit ist die Grenze zwischen mir und der Außenwelt zu einem grossen Teil aufgehoben. Ich denke nicht mehr über das nach was ich schriebe, sondern darüber nach wie das was ich schreibe eventuell gelesen werden könnte. Damit ist der früher sehr private Akt vom Schrieben zu etwas geworden wo sofort “andere” mitlesen und damit meine Gedanke beeinflussen. Das tun sie auch jetzt.
Mein Membran ist porös. und ich höre auf tief zu atmen, meine Körper verspannt sich, meine Beziehung zu mir, zum jetzt, zum hier schwindet …
Ich befinde mich in einer imaginären Zukunft bei imaginären Lesern …

Vor zwei Tagen habe ich ein Buch gelesen. Pure Unterhaltung. Was es war ist irrelevant. Aber: es war ein Buch-Buch. also, Papier, ein Gewicht in meiner Hand, eine Texture die kein Bildschirm war, es halt nicht gesummt, nicht vibriert, nicht geleuchtet oder mich irgendwie mit einer “Aussenwelt” verlinkt. Und ich merkte, wie ich, nach einer Stunde lesen, MICH wieder spürte. Ich hatte angefangen entspannen. Die Geschichte war spannend, ich ear “drin” und gleichzeitig war ich in meinem Körper. Und ich war wo ich war. Diese latente, immer präsente Anspannung fing an wegzugehen.
Das Buch konnte mich nicht angreifen, nicht mehr Aufmerksamkeit einfordern als ich bereit war zu geben, mich nicht mit irgendwelchen Katastrophen Nachrichten stressen, es war nur das was es war. Und ich durfte lesen.
Leider hatte ich es in einem Tag ausgelesen …. und einen Buchladen in einem Ferienort finden wird leider immer schwieriger … da das handy ja anscheinend auch reicht um eine Buch zu lesen. Und, nein, tut es nicht.
Das verfickte handy greift mich an. Da kann ich mich in einen fast leeren aber gemütlichen Raum setzten, auf ein bequemes sofa, die Tür und die Fenster schliessen, auch die Vorhänge wenn nötig, mir einen Tee kochen und mich gemütlich hinsetzen … wenn das handy an ist nützt das alles nicht. Die Außenwelt ist mit mir im Raum, ich habe den “Feind” freiwillig reingelassen und kann mich nicht wehren …
Jede chance zur ruhe zu kommen ist damit weg. Kein wirkliches Denken, kein Fühlen, kein riechen, kein Atmen … nur noch Anspannung.

Ich kann nicht gut Grenzen setzen. Das handy, so schön es auch sein kann “Kontakt” zu haben, ist für mich die allergrösste Herausforderung was das nein sagen angeht.  

 

(Fotos von dem Schwarzgürtel Wochenende auf der „Ronneburg“)

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